Der ÖPNV der Zukunft: Von A nach B völlig flexibel und nahtlos
11 Jul, 2022

Ein Mobilitätsszenario

Die Sommerferien sind da. Sandra möchte nach Großstadtburg fahren, um sich mit ihren Freunden zu treffen. Sandra ist 16 Jahre alt und wohnt bei ihren Eltern in Landshausen. Sie greift zum Handy, gibt das Ziel in die Mobilitäts-App ein und bekommt sofort die Info, wie sie am schnellsten nach Großstadtburg reisen kann. Ihr wird eine Fahrt vorgeschlagen, die schon in zehn Minuten losgeht und direkt bei ihr zu Hause startet. Sandra bestätigt ihre Mitfahrt.

Zehn Minuten später tritt Sandra vor die Tür und sieht das On-Demand-Shuttle dort stehen. Sie steigt ein und fährt zu einem sogenannten Umsteigepunkt los. Dort kommen mehrere Shuttles aus der Umgebung an. Von dort kann sie mit einem Linienbus weiterfahren. Sandra sieht, dass der Bus schon in fünf Minuten nach Großstadtburg losfährt.

Am Umsteigepunkt trifft sie ihre Nachbarin Claudia.

„Hey, Claudia! Wo kommst du denn her?“

„Schön dich zu sehen, Sandra! Ich komme gerade aus der Stadt mit dem Bus zurück. Ich habe meine Einkäufe zu diesem Umsteigepunkt liefern lassen und hole sie gleich ab. Danach hole ich mein Fahrrad aus der Fahrradbox, packe meine Einkäufe drauf und fahre nach Hause.“

Die beiden unterhalten sich noch weiter, bis Sandra merkt, dass ihr Bus schon da ist. Sie verabschiedet sich von Claudia und steigt in den Linienbus nach Großstadtburg ein. Wie immer, setzt sie sich in den Ruhebereich des Buses, um dort gemütlich ein Buch zu lesen. Einmal in der Stadt angekommen, fährt der Bus bis zum Mobilitätshub nur auf Busspuren. Dort verlässt Sandra den Bus. Sie könnte mit einem weiteren Fahrzeug ihre Reise fortsetzen, doch heute ist das nicht nötig. Sandras Ziel befindet sich in der Nähe und sie läuft die letzten 500 Meter zu Fuß.

Digitale Mobilitätskonzepte

Dieses Zukunftsszenario zeigt wie Sandra von einer ländlichen Region in die Stadt kommt und das wirklich einfach und komfortabel. Sie kann losfahren, wann sie möchte und kommt zuverlässig und zeitnah an ihr Ziel an.

Mobilität auf Abruf

Die Reise beginnt mit einer Mobilitäts-App. Das ist der Zugangspunkt für Sandra, um die Mobilitätsangebote zu buchen bzw. sich darüber zu informieren. Sandra hat ein Jahresabo für alle Mobilitätsangebote und kann diese beliebig oft nutzen. Sie muss sich also nie Gedanken darüber machen, was die Fahrt kostet und wo sie das Ticket besorgen muss.

Für den ersten Reiseabschnitt nutzt Sandra ein On-Demand-Shuttle. Dabei handelt es sich um ein Fahrzeug mit festen oder individuellen Routen, die sowohl klassische als auch virtuelle Haltestellen (solche, die die App vorschlägt) befahren. Alternativ kann auch die Abholung vor dem eigenen Zuhause erfolgen. Der Komfort des On-Demand-Shuttles ist mit dem eines eigenen Autos vergleichbar.

Mobilitätshubs mit hoher Aufenthaltsqualität

Das On-Demand-Shuttle bringt Sandra zu einem sogenannten Umsteigepunkt – eine Art Mobilitätshub, wo mehrere Shuttles aus der Region ankommen. Die Shuttles sammeln auf Strecken, wo weniger Bedarf ist, Fahrgäste ein, um sie zum Umsteigepunkt zu befördern. Dieser Umsteigepunkt bietet zusätzlich eine gute Aufenthaltsqualität. Den kleinen Einkauf erledigen, einen Kaffee holen oder sich mit Leuten treffen: Die Wartezeit beim Mobilitätshub kann sinnvoll genutzt werden, sodass man nicht das Gefühl hat, Zeit zu vergeuden.

Der Bus: Hoch getaktet und komfortabel

Vom Umsteigepunkt fährt Sandra weiter mit dem Linienbus in die Stadt. Hohe Taktung ist wichtig. Das kennen wir bereits heute von Großstädten, wo vor allem die U-Bahn so regelmäßig fährt, dass man sich überhaupt keine Gedanken macht, wann die nächste kommt, denn länger als zehn Minuten muss man nie warten.

Im Bus hat Sandra eine Sitzplatzgarantie. Also Die Busse werden von der Kapazität immer so gesteuert, dass genug Sitzplätze frei sind. Die Sitzplätze bieten nicht nur Reisekomfort, sondern tragen auch zur Sicherheit bei. An sich sollte der Bus eine hohe Aufenthaltsqualität bieten. Neben WLAN und Unterhaltungsangeboten gibt es Ruhezonen, die Fahrgäste zum Lesen, Arbeiten oder Entspannen während der Fahrt nutzen können.

Die Mobilität in der Stadt: Autoarm und vernetzt

In der Stadt fährt der Bus auf einer Busspur. Der Bus hat jederzeit Vorrang und kommt somit schneller vorwärts als die Autos. Sandra steigt wieder bei einem Mobilitätshub aus. Dort warten verschiedene Verkehrsmittel wie z. B. Leihräder oder Leihroller, mit denen man unkompliziert die letzte Meile zurücklegen kann.

Doch in unserem Mobilitätsszenario geht Sandra am Ende zu Fuß. Dafür bedarf es Städte, die auf Menschen ausgerichtet sind, und nicht auf Autos. Man soll in der Stadt gerne zu Fuß unterwegs sein.

So kommt dieses Mobilitätsszenario zustande

Bedürfnisse der Nutzer in den Mittelpunkt stellen

Konzepte wie dieses existieren bereits in einer oder anderen Form. Damit sie Realität werden, müssen Nutzer und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt aller Überlegungen und Handlungen gestellt werden. Basierend auf ihren Bedarf, werden auch Mobilitätsangebote geschaffen. Es gilt also zunächst, den Bedarf systematisch zu erheben – zum einen durch Auswertung der Daten, die in digitalisierten Fahrzeugen tagtäglich gesammelt werden; zum anderen durch direkte Befragung vorhandener und potenzieller Nutzer. Dabei gilt es insbesondere Nicht-Nutzer für den ÖPNV zu gewinnen, um die Mobilitätswende schaffen zu können und Umweltziele zu erreichen.

Wenn der Bedarf bekannt ist, kommt die Überlegung, welches Mobilitätsangebot diesen am besten erfüllt. Manchmal ist es einfach ein Fahrrad, manchmal ein großer Linienbus; mal ein Shuttle, mal ein Leihroller. Es ist unnötig, gar unmöglich die gesamte Strecke mit einer Fahrzeugart zu bedienen. Wir brauchen nicht ein Angebot, sondern viele Mobilitätsangebote. Diese Gesamtheit der Mobilitätsangebote ist dann idealerweise gut genug, um auch Leute, die aktuell lieber Auto fahren, zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Und für diejenigen, die schon auf den öffentlichen Verkehr setzen, die Fahrt angenehmer zu machen.

Augenmerk auf Mobilitätsökosystem und Fahrzeugdigitalisierung

Letztendlich dürfte es für die meisten Menschen gar nicht so wichtig sein, wie sie von A nach B kommen. Es ist also relativ egal, ob sie das kleine Shuttle oder der große Linienbus befördert, Hauptsache sie kommen komfortabel an ihr Ziel an und können Ihre Reisezeit sinnvoll nutzen. Das Augenmerk liegt insbesondere dabei, wie das Mobilitätsökosystem, das aus verschiedenen Einzelplayern besteht, funktionieren soll. Damit sich Shuttle, Bus, Fahrrad und Roller optimal gegenseitig ergänzen, müssen sie also Daten austauschen, sich an multimodale Mobilitätsplattformen beteiligen und Standards eingehen, um den Datenaustausch überhaupt zu ermöglichen.

Fazit

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass es vielen Angebote bedarf, und zwar überall und zu jeder Zeit, damit die Menschen wirklich eine Alternative zum eigenen Auto haben und die öffentlichen Verkehrsmittel gerne nutzen. Um dieses Mobilitätsökosystem zu erreichen, müssen alle Akteure zusammenarbeiten: Mobilitätsanbieter, Politik und Aufgabenträger müssen gemeinsam dafür sorgen, dass diese Zukunft der Mobilität realisiert wird.

 

Das dargestellte Mobilitätskonzept basiert auf der Fraunhofer IESE-Studie „Mobilitätswende 2030“.

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